Getauft und gefeiert
Der Wetterbericht hat uns für diesen 19. Juli nichts Gutes versprochen – regnerisch und kühl. Und doch beginnt der Tag festlich. Sieben Menschen wollen sich heute taufen lassen: Cedric, Matteo, Rena, Emilia, Magalie, Madeleine und Marta, zwischen 13 und 25 Jahre alt. Sieben Lebensgeschichten, ein Bekenntnis.
Vom Saal ans Wasser
Die Taufe beginnt drinnen, im Gemeindesaal. Pastor Andreas Müller spricht das Bekenntnis, in dem sich die Gemeinde und die sieben Täuflinge über den Sinn und die Tiefe dessen verständigen, was gleich geschieht:
„Im Glauben und in der Begegnung mit Jesus Christus nehmen wir dieses Angebot Gottes an. Die Taufe ist ein sichtbarer Ausdruck dafür, dass Gott uns persönlich angenommen hat, und wir mit seinem Sohn Jesus Christus aufs Engste und unverbrüchlich verbunden sind. Die Taufe besiegelt die unzertrennbare Verbindung mit Jesus Christus und wird im Glauben an diesen Jesus empfangen. Für diesen Glauben gibt es keine Stellvertretung. Die Taufe macht das neue Leben in Jesus sichtbar, denn, wer auf Jesus Christus getauft ist, empfängt nicht nur Vergebung der Sünden, sondern auch das ewige Leben über den Tod hinaus. In diesem Verständnis taufen wir Euch heute." Dann wendet er sich den sieben zu und fragt sie:
„Glaubst du, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, dass er auch für dich gelebt hat, für dich gestorben ist und auferstanden ist, dass er dir deine Schuld vergibt, und dich mit Gott verbindet? Hast du Jesus Christus dein Leben anvertraut und willst du so die Taufe empfangen? Glaubst du, dass der Heilige Geist in dir wohnt und du ewiges Leben ge- schenkt bekommen hast? Glaubst du, dass Jesus Christus dich in die Gemeinschaft von Gläubigen gestellt hat, und willst du dich am gemeinsamen Leben beteiligen durch deine Gaben, deine Kraft, deine Zeit und deine Gebete? Willst du in diesem Glauben die Taufe empfangen, so antworte: Ja, ich will es tun."
Ein Satz aus dem Bekenntnis bleibt hängen: Für diesen Glauben gibt es keine Stellvertretung. Niemand kann ihn für einen anderen sprechen. Und so antwortet dann auch jede und jeder für sich, mit eigener Stimme: „Ja, ich will es tun." Sieben Mal. Man hört in den unterschiedlichen Stimmen Menschen, die dieses sehr ernst meinen.
Ins Wasser
Ihren Abschluss findet die Taufe dort, wo es nass wird: am Pool hinter dem Gemeindehaus. Jannik Müller und Maike Köther stehen schon im Wasser, als die sieben nacheinander hineinsteigen. Ein kurzes Wort, dann das Untertauchen – und das Auftauchen. Wer je einer Taufe zugesehen hat, kennt diesen Moment: das Wasser, das über dem Kopf zusammenschlägt, und dann das Gesicht, das wieder hochkommt, nass, atemholend, oft lachend. Ein uraltes Bild, hier hinter dem Gemeindehaus ganz handfest: mit Chrisus gestorben und auferstanden, mitten in Ottobrunn, in einem Pool.
Dass die Getauften junge Menschen mit eigener Stimme sind, macht diesen Gottesdienst besonders. Vom Saal bis ans Wasser haben sie sich für diesen Weg entschieden, Schritt für Schritt, und am Ende sichtbar für alle.
Rauch und Regen, der nicht kam
Kaum sind die Haare trocken, zieht Duft übers Gelände: Drau- ßen wird angeworfen, was Hitze macht – Grills und Feuerplatte laufen, es brutzelt und qualmt auf die schönste Weise. Wegen der Regenprognose hatten wir vorsichtshalber drinnen gedeckt, gegessen wird dann kurzerhand überall: drinnen an den Tischen, draußen unter freiem weiß-blauem Himmel.
Und es kommen viele. Alle Tische belegt, jeder Gast versorgt – dieses beruhigende Gewimmel eines Festes, bei dem gerade genug Trubel herrscht, dass sich niemand verloren fühlt. Man rückt zusammen, man teilt, man findet einen Platz.
Leergefegt
Das eigentliche Urteil über ein Sommerfest fällt bekanntlich am Buffet. Und das Urteil ist eindeutig: Salat- und Kuchenbuffet – am Ende blitzblank. Leergefegt, restlos. Wer zu spät kam, konnte höchstens noch die Krümel zählen. Ein schöneres Kompliment kann man all denen, die geschnippelt, gerührt und gebacken haben, kaum machen.
Was bleibt
Am Ende des Tages, als die Grills auskühlen und die letzten Stühle zusammengetragen werden, bleibt mehr als der satte Bauch und der Rauchgeruch in der Jacke. Sieben Menschen haben heute vor aller Augen Ernst gemacht mit ihrem Glauben – erst im Saal mit ihrem Wort, dann am Pool mit ihrem ganzen Leib. Und drumherum hat eine Gemeinde getan, was Gemeinde tut: gefeiert, versorgt, zusammengesessen. Rettungsstation und Heimat – an einem Tag wie diesem sieht man beides auf einmal. Erst das Wasser, dann der gedeckte Tisch.
Matthias Eitschberger